17. April 2009 | Teckbote
Der Putz bröckelt, im Keller schimmeln die Wände und die Heizung macht was sie will: Das Alte Dettinger Gemeindehaus ist in einem desolaten Zustand. Alle Dettinger Bürger sollen nun mithelfen, es zu erhalten – nicht nur mit Geld.

(Antje Dörr) Dettingen. Eigentlich hatte das historische Fachwerkhaus, in dem früher das Rathaus untergebracht war, schon ausgedient. Als nämlich 1999 das neue Gemeindehaus eingeweiht wurde, dachte man zunächst, auf das alte verzichten zu können, erinnert sich Wilfried Veeser, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Dettingen. Heute weiß er, dass sie sich getäuscht haben. Das Alte Gemeindehaus, das auf eine 520-jährige Geschichte zurückblicken kann, wird dringend für die zahlreichen Angebote der Gemeinde benötigt. Im Erdgeschoss befindet sich seit fünf Jahren das Buchcafé und im ersten und zweiten Stock sind die Jugendarbeit und das neu entstehende Familienzentrum beheimatet.
Das Gebäude ist allerdings in die Jahre gekommen. „Die Fassade bröckelt, die Heizung lässt einen schwitzen oder frieren und im Keller schimmelt es gesundheitsbedenklich“, sagt Wilfried Veeser. Über reine Sanierungsmaßnahmen hinaus plant die Kirchengemeinde weitere bauliche Veränderungen. Um im Buchcafé mehr Platz für Begegnungen zu schaffen, sollen Wände eingerissen werden. Der Jugendtreff im Keller soll neu belebt werden, aber dafür muss eine neue Zugangstreppe gebaut werden. Und der Schülerhort braucht eine Küche für den Mittagstisch. Kurzum: Um das Gemeindehaus fit für die Zukunft zu machen, muss die Kirchengemeinde ordentlich Geld investieren. 220 000 Euro kostet der gesamte Umbau voraussichtlich.
„Das können wir alleine nicht schultern“, weiß Wilfried Veeser. „Wir brauchen die Unterstützung der ganzen Bevölkerung.“ Um die zu bekommen, hat die Evangelische Kirchengemeinde eine Aktion für den Erhalt des Alten Gemeindehauses gestartet. Auf Flyern und in Briefen ruft sie alle Bürger dazu auf, Geld zu spenden oder an den sogenannten „Mach mit!“-Aktionen teilzunehmen. Damit wollen die Planer des Projekts Begeisterung für das Alte Gemeindehaus und die Angebote, die sich darin finden, auslösen. Wilfried Veeser ist hoffnungsvoll, dass viele Menschen mitmachen. „Das Haus ist im Bewusstsein der Dettinger verankert“, sagt er. „Und es ist für alle Menschen offen, nicht nur für Gemeindemitglieder.“ Der Dettinger Bürgermeister Rainer Haußmann sowie Vertreter des Gemeinderats, der Wirtschaft und der Dettinger Vereine unterstützen das Projekt bereits.
Um über die Spenden hinaus Geld zu sammeln, hat sich das Projektteam viele Aktionen ausgedacht. Für Samstag, 9. Mai, ist ein ganzer Aktionstag vorgesehen. Morgens gibt es einen Sponsorenlauf, bei dem Kinder, von Eltern oder Großeltern gesponsert, pro Runde einen gewissen Betrag für das Gemeindehaus „erlaufen“. Für die Erwachsenen soll es ein Bürostuhlrennen geben. Leseratten können beim „Längsten Büchertisch Dettingens“ gleich kiloweise Stoff erwerben. Alle Bürger sind vorab aufgerufen, alte Bücher bei der Gemeinde abzugeben. Der Erlös kommt dem Alten Gemeindehaus zugute. Am Freitag, 15. Mai, findet ein Kabarettabend mit Pfarrer Brändle aus Weilheim statt. In den Herbstferien üben Kinder der dritten bis sechsten Klasse das Musical „Reise nach Jerusalem“ ein. Eintrittsgelder fließen in die Renovierung des Alten Gemeindehauses.
Weitere Ideen sind Aktionen wie „Spenden statt Geschenke“, bei denen sich Geburtstagskinder von ihren Freunden und Verwandten Spenden für das Alte Gemeindehaus wünschen. Eine zeitlose Spendenaktion ist auch die „Happy Hour“. Dabei lädt man sich gegenseitig zu Bier und Würstchen ein und spendet großzügig für das, was verzehrt wird. Ebenfalls kulinarisch geht es beim Kuchenverkauf an acht Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten zu. Auch am Samstag, 30. Mai, dreht sich alles ums Essen. Alle Dettinger sind aufgerufen, im Dorf eine große Frühstückstafel zu errichten. Pro Tisch dürfen zwei Gäste Platz nehmen, die für das Verzehrte bezahlen. „Im Laufe der Zeit kommen bestimmt noch mehr Aktionen dazu“, sagt Wilfried Veeser. „Wir machen so lange weiter, bis wir das Geld beisammen haben.“